Holzbegabt

Zwischen moderner Produktgestaltung und jahrhundertealter Handwerkstradition wächst im sachsen-anhaltischen Eimersleben (Landkreis Börde) etwas Besonderes: holzbegabt. Hinter der Marke stehen die Industriedesigner/in Stefanie und Daniel Funke, die mit ihrem Designstudio FORM & DRANG und der traditionsreichen Tischlerei Funke (besteht seit 1867) Design und Tischlerhandwerk neu zusammendenken.

Warum sie sich entschieden haben, aus Leipzig zurückzukehren und ihr Unternehmen bewusst in Sachsen-Anhalt und in einer kleinen Gemeinde aufzubauen. Wie Tradition ihre Arbeit prägt, und weshalb Holz für sie ein Gegenpol zur digitalen Schnelllebigkeit ist – darüber sprechen Stefanie und Daniel Funke im Interview.

Was genau ist holzbegabt? Was macht eure Marke aus und was findet eure Kundschaft bei euch?

Daniel: Holzbegabt ist eine Marke unseres Designstudios Form & Drang GmbH. Wir verbinden modernes, durchdachtes Design mit der Qualität klassischer Tischlerarbeit. Bei uns entstehen maßgeschneiderte Möbel, Holzfußböden und praktische Helfer für den Alltag – alles aus Massivholz, Echtholzfurnieren und natürlichen Materialien wie Linoleum, Rattan oder Naturstein.
Stefanie: Unsere Kunden finden bei uns Lösungen, die wirklich zu ihnen passen. Wir schauen uns Räume an, sprechen über Ideen und setzen diese mit Hingabe in handgefertigte Holzarbeiten um. Jedes Produkt soll Freude bereiten, langlebig sein und den individuellen Stil unserer Kundschaft widerspiegeln.

Was unterscheidet euch von klassischen Tischlereien und anderen Designer-Möbelherstellern?

Daniel: holzbegabt ist kein Auftragsbetrieb im klassischen Sinne, sondern ein Designhandwerks-Studio. Wir beraten, planen, entwickeln Möbel passend zu Raum, Interieur und Kundenwünschen. Jedes Stück ist ein Unikat. Im Gegensatz zu vielen Tischlereien arbeiten wir überwiegend mit Massivholz, traditionellen Verbindungstechniken und hochwertigen Materialien, statt mit Spanplatten oder Dekoren.

Ihr habt 2010 euer erfolgreiches Designbüro FORM & DRANG in Leipzig gegründet und seid 2017 zurück nach Sachsen-Anhalt gekommen, um die traditionsreiche Tischlerei Funke von Daniels Vater in der kleinen Gemeinde Eimersleben zu übernehmen. Was sprach vor allem dafür, diesen Schritt zu machen?

Stefanie: Daniel ist in Eimersleben aufgewachsen und hat schon früh im Familienunternehmen mitgearbeitet. Wir haben uns während unseres Industrie-Design-Studiums an der Hochschule Magdeburg-Stendal kennengelernt und fertigten erste Modelle in der Werkstatt. Schon damals entstand die Idee, Design und Holzhandwerk zu verbinden. 

Mit der Geburt unserer Kinder wurde der Wunsch stärker, aufs Land zurückzukehren: Großeltern in der Nähe, ein Garten für die Kinder, alte Freunde und die Vision, Design und Holzhandwerk zusammenzuführen. Seit Dezember 2017 leben wir wieder in Sachsen-Anhalt. Seit 2020 setzen wir zunehmend Holzprojekte um, von Böden über Tische bis zu Möbelstücken. Im Januar 2025 entstand holzbegabt, um unsere Vision aktiv zu leben.

Wie wichtig ist euch die Geschichte der Tischlerei Funke? Fließt die Tradition in eure Designs ein, oder macht ihr bewusst etwas Neues?

Stefanie: Die Geschichte der Tischlerei Funke ist Teil unserer eigenen Geschichte. Daniel ist quasi in der Werkstatt aufgewachsen: Schon als Kind half er im Familienbetrieb mit, lernte die Maschinen kennen und erlebte hautnah, wie Möbel entstehen. Die alten Zeichnungen, Handwerkzeuge und ersten Maschinen der Tischlerei befinden sich noch immer in unserem Besitz und erinnern täglich daran, woher wir kommen. Selbst der alte Maschinenraum erzählt Geschichten: Man läuft über ausgetretene Dielen und kann die ersten Maschinen bestaunen, die noch über eine Transmission angetrieben werden.

Daniel: Wir verbinden diese Tradition mit modernem, kundenspezifischem Design. Klassische Techniken wie Zinken oder Gratverbindungen fließen in unsere Arbeit ein, wir vermeiden so weit wie möglich Schrauben und schaffen langlebige Möbel. Tradition trifft bei uns auf Innovation, sichtbar zum Beispiel in unserem Parkett, das klassische Muster neu interpretiert. 

Wie hat euer Umfeld reagiert, als ihr gesagt habt, dass ihr nach Sachsen-Anhalt geht und eine Tischlerei übernehmt?

Stefanie: Die Reaktionen waren durchweg positiv. Besonders Daniels Vater freute sich, dass das Familienunternehmen in der 5. Generation weitergeführt wird. Drei Jahre hielten wir noch unser Büro in Leipzig, merkten aber bald, dass ein Hauptsitz in Eimersleben praktischer ist. 

Daniel: Für unsere Kundschaft gab es kaum Unterschiede, da wir schon vorher digital und deutschlandweit arbeiteten. Am auffälligsten war oft der Ortsname Eimersleben: Gesprächsstoff für Smalltalk über das Dorf, die Tischlerei und unsere Pläne. Insgesamt war es eine bewusste, aber natürliche Veränderung. Wir erweitern unser Designstudio um Holzprodukte, ohne die bisherigen Aktivitäten aufzugeben.

Welche Vor- und Nachteile gibt es, ein Unternehmen wie holzbegabt in Sachsen-Anhalt zu führen, speziell in einer kleinen Gemeinde wie Eimersleben?

Daniel: Die ländliche Umgebung bietet Ruhe für konzentriertes Arbeiten, Platz für Werkstatt, Lager und Expansion. Etwas, das in der Stadt nur mit einem höheren Kostenaufwand möglich wäre. Gleichzeitig liegt der Ort zentral in Deutschland, was kurze Wege zu Kunden und Partnern ermöglicht. Die gute Anbindung an die Autobahnen erleichtert auch den Versand von Produkten deutschlandweit.

Stefanie: Die Dorfgemeinschaft ist ein weiterer Gewinn: schnelle Kontakte, gegenseitige Unterstützung, und unsere Kinder haben Raum zum Spielen und Entdecken. Allerdings ist die lokale Kundendichte gering, daher setzen wir auf Online-Präsenz, um überregional Kunden zu erreichen. Logistik und Versand sind zwar aufwendig, aber kein unüberwindbares Hindernis.

Seid ihr hier gut vernetzt? Gibt es lokale Netzwerke, den Austausch mit anderen Kreativen oder Handwerksbetrieben?

Stefanie: Wir arbeiten eng mit Lieferanten und Partnern zusammen, dazu zählen Metallbauer, Steinmetze oder Industriedesigner. Auch die Kontakte aus Leipzig sind uns sehr wichtig, da wir immer wieder Inspiration, Beratung oder gemeinsame Projekte austauschen.

Daniel: Lokale Netzwerke würden wir gern noch stärker ausbauen, bislang haben wir aber eher spontane, projektbezogene Kooperationen als regelmäßige Netzwerktreffen. Wir sind offen dafür, es ist nur eine Frage der Zeit und Kapazität.

Was war die größte Herausforderung bei der Übernahme der Tischlerei? Was lief anders als geplant?

Daniel: Die Übernahme der Tischlerei war herausfordernd: Maschinen, Materiallager, laufende Aufträge und Organisation mussten neu strukturiert werden. Der größte Unterschied zu unserer digitalen Arbeit war: Holz kennt kein rückgängig, Verschnitt und Fehler gehören dazu. Auch Logistik, Transport und Montage sind aufwendig. Mit der Zeit wurden wir aber sicherer. Kalkulationen laufen schneller, Software unterstützt uns, und die Erfahrung aus dem Designstudio hilft, Ideen effizient umzusetzen. Die größte Aufgabe bleibt mental: Risiken als Abenteuer sehen und sich nicht von Bürokratie oder Fehlern bremsen lassen.

Wo seht ihr holzbegabt in fünf Jahren? Und wo seht ihr euch?

Stefanie: Wir möchten, dass holzbegabt wächst, mehr Menschen erreicht und unser Team erweitert wird. Neben Küchenbrettern sollen künftig auch einzelne Möbelstücke im Shop oder in ausgewählten Läden zu finden sein. Nachhaltigkeit und bewusstes Handeln gehören genauso zu uns wie Qualität und gutes Design. Unser Ziel bleibt, Möbel zu schaffen, die modern, zeitlos und langlebig sind.

Welche Rolle spielt Sachsen-Anhalt in eurer langfristigen Vision?

Stefanie: Sachsen-Anhalt ist unsere Wahlheimat: zentral, ruhig, familienfreundlich und mit ausreichend Platz für Werkstatt, Lager und Wachstum. Hier lässt es sich gut leben und kreativ arbeiten und es lassen sich gut neue Projekte verwirklichen.

Welchen Rat würdet ihr Absolventen eines Designstudiums geben?

Daniel: Wer Produkte erfolgreich gestalten will, muss Materialien und Verarbeitung genau kennen. Ein gutes Gespür für Form und Farbe allein reicht nicht, technisches Verständnis und umsetzbare Ideen sind ebenso wichtig.

In einer technisierten, schnelllebigen Welt mit Künstlicher Intelligenz – wo seht ihr euch und eure Arbeit da? Seid ihr ein Gegenpol?

Daniel: KI nutzen wir als Impulsgeber, nicht als Ersatz für Kreativität. Neues entsteht nur im Kopf und in der Hand. Wir wollen gestalten, ausprobieren, erleben und das Ergebnis muss von Menschenhand geprägt sein. Holzarbeit ist für uns ein bewusster Gegenpol zur schnelllebigen, digitalen Welt. Sie verlangt Ruhe, Präzision und Bedacht. Unsere Produkte sind langlebig und greifbar – etwas, das man anfassen, nutzen und im besten Fall weitergeben kann.

Stefanie: Auch privat prägt uns diese Haltung. Ich habe über ein Fernstudium Kräuterpädagogik ein tieferes Verständnis für Natur und Materialien entwickelt, das direkt in unsere Arbeit einfließt. Wir wählen Holzarten nicht nur nach ihrer Optik aus, sondern auch nach Funktion: Welches Holz passt in den Essbereich, welches schafft ein angenehmes Raumgefühl oder wirkt beruhigend im Schlafzimmer?

Unsere Arbeit ist damit ein bewusster Ausgleich zur digitalen Welt. Sie verbindet Natur, Handwerk und Design, und genau in diesem Spannungsfeld sehen wir unsere Zukunft.

Mehr erfahrt ihr unter: www.holzbegabt.de

Foto: holzbegabt