Im Interview: Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch ist Schirmherrin der Fashion Revolution Week in Magdeburg
Wenn Kleidung Geschichten erzählen könnte – von Menschen, Materialien und Wegen rund um den Globus – würden viele Menschen vermutlich bewusster entscheiden, was wir tragen. Genau dazu lädt eine internationale Aktionswoche von Fashion Revolution Germany e. V. ein. Rund um den 24. April – dem Jahrestag des Einsturzes der Textilfabrik Rana Plaza factory collapse – wird bei der Fashion Revolution Week über die Modeindustrie diskutiert.
Auch in Magdeburg setzen Akteurinnen und Akteure Zeichen für faire und nachhaltige Mode. Ein engagiertes Kollektiv aus den Bereichen Mode und Kultur stellt vom 18. bis zum 25. April 2026 ein vielseitiges Programm auf die Beine. Von Workshops über Podiumsdiskussionen bis zum Kinoevent und einer Kleidertauschparty bietet die Fashion Revolution Week in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt vielseitige Einblicke in die Welt der nachhaltigen Mode und ermutigt zum bewussten Handeln.
Stefanie Pötzsch, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt, übernimmt erneut die Schirmherrschaft. Im Interview erklärt sie, warum es ihr wichtig ist, damit ein Zeichen zu senden.
Sie sind erneut Schirmherrin der Fashion Revolution Week in Magdeburg. Warum liegt Ihnen die Aktionswoche so am Herzen?
Stefanie Pötzsch: Die Schirmherrschaft ist für mich eine sehr gute Möglichkeit, eine Initiative zu unterstützen, die gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbindet. Gleichzeitig stellt die Fashion Revolution Week eine zentrale Frage: Wie gehen wir mit Kleidung um? Hinter jedem Kleidungsstück stehen Ressourcen, Arbeit und Ideen. Wenn wir das stärker wertschätzen, verändert sich auch unser Konsumverhalten – und genau dafür schafft die Aktionswoche Aufmerksamkeit.
Die Fashion Revolution stellt die Frage: Wer hat meine Kleidung gemacht? Warum ist diese Perspektive so wichtig?
Stefanie Pötzsch: Weil sie den Blick weitet. Kleidung ist ein globales Produkt. Viele Menschen denken beim Kauf zuerst an Preis oder Stil, aber selten an die Produktionsbedingungen oder Transportwege. Die Frage nach der Herkunft erinnert uns daran, dass Mode immer auch mit Menschen und Umwelt zu tun hat. Wenn wir uns damit auseinandersetzen, treffen wir automatisch bewusstere Entscheidungen, sei es beim Kauf, beim Reparieren oder beim längeren Tragen eines Kleidungsstücks.
In Magdeburg engagieren sich lokale Initiativen und Einzelpersonen für nachhaltige Mode. Welche Rolle spielt diese regionale Szene?
Stefanie Pötzsch: Eine sehr wichtige. Regionale Designerinnen und Designer, Werkstätten oder kleine Labels zeigen, dass nachhaltige Mode nicht abstrakt ist, sondern direkt vor unserer Haustür entsteht. Sie verbinden Kreativität mit Verantwortung – etwa durch Upcycling, lokale Produktion oder langlebige Materialien. Das stärkt nicht nur nachhaltigen Konsum, sondern auch die regionale Wirtschaft und die Sichtbarkeit der Kreativszene.
Welche Entwicklung beobachten Sie aktuell in der Modebranche – auch aus politischer Perspektive?
Stefanie Pötzsch: Das Thema Nachhaltigkeit in all seinen Facetten wird deutlich ernster genommen als noch vor einigen Jahren. Verbraucherinnen und Verbraucher fragen stärker nach Transparenz, und auch Unternehmen reagieren darauf. Gleichzeitig ist der Weg noch lang. Nachhaltige Mode muss weiter aus der Nische herauskommen. Veranstaltungen wie die Fashion Revolution Week leisten hier einen wichtigen Beitrag, weil sie informieren, inspirieren und Menschen miteinander ins Gespräch bringen.
Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun, um nachhaltiger mit Mode umzugehen?
Stefanie Pötzsch: Manchmal reichen schon kleine Veränderungen. Kleidung länger tragen, reparieren lassen oder tauschen, das sind einfache Schritte, die viel bewirken können. Und wenn man etwas Neues kauft, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wie wurde das Produkt hergestellt? Ist es langlebig? Qualität und Bewusstsein sind oft wichtiger als Quantität. Und der Blick in die eigene Region lohnt sich: hier entstehen tolle Produkte direkt vor Ort.
Wie sehen Sie die Zukunft der Mode- und Kreativszene in Sachsen-Anhalt?
Stefanie Pötzsch: Ich sehe großes Potenzial. Sachsen-Anhalt hat viele kreative Köpfe, die innovative Ideen entwickeln – auch im Bereich nachhaltiger Mode. Unser Ziel sollte sein, diese Szene weiter zu stärken und ihr Raum für Entwicklung zu geben.